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"Die Stammzellen aus Nabelschnurblut könnten die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöhen.“

 
Frau Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler leitet die Diabetes-Studie
Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler
Die Forschergruppe Diabetes der TU München will gemeinsam mit Vita 34 im Rahmen einer internationalen klinischen Studie die Wirksamkeit von Nabelschnurblut bei neu manifestiertem Typ-1- Diabetes erforschen. In Deutschland wird die internationale Studie, die seit April 2005 bereits in den USA durchgeführt wird, von Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler von der Forschergruppe Diabetes geleitet. Vita 34 hat mit ihr über die Hintergründe gesprochen.



Frau Prof. Dr. Ziegler, an wen richtet sich Ihre Studie?

Die Studie richtet sich an Kinder mit einem neu entdeckten Typ-1-Diabetes, die über ihre eigene Nabelschnurblutkonserve verfügen und mindestens ein Jahr alt sind. Wir wollen dabei herausfinden, inwiefern die Gabe von Nabelschnurblut zu einer Normalisierung des Immunsystems bei diesen Kindern führen kann und welche Wirkungen das auf die Qualität der Stoffwechselführung hat.

Was erwarten Sie sich dabei konkret von der Behandlung mit Nabelschnurblut-Stammzellen?

Bei Kindern, die an Typ-1-Diabetes erkrankt sind, werden durch eine Störung des Immunsystems die Betazellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Diese Betazellen sind für die Insulinproduktion verantwortlich. Sind die nicht mehr intakt, funktioniert auch die Regulierung des Glukosehaushalts des Körpers nicht mehr. Die Studie soll darüber Aufschluss geben, inwieweit die Behandlung mit Nabelschnurblut- Stammzellen durch eine positive Beeinflussung des Immunsystems die Funktion der restlichen Betazellen erhalten oder verbessern kann. Bei der Pilotstudie in den USA hat man diesbezüglich bereits vielversprechende Beobachtungen gemacht.

Welche Vorteile erwarten Sie dadurch für die teilnehmenden Kinder im Alltag?

Momentan benötigen Diabetespatienten mehrmals täglich Insulin- Injektionen, Blutzuckermessungen und Diät. Deshalb ist der größte Nutzen, den die Kinder durch die Behandlung mit Nabelschnurblut haben könnten, eine Wiederherstellung der immunologischen Balance und somit ein Schutz der verbliebenen Insulin produzierenden Zellen. Eine körpereigene Restproduktion von Insulin erlaubt eine Verbesserung der Blutzuckerkontrolle bei geringerem Insulinbedarf.

Welcher Vorbereitungen bedarf es, um die Studie durchführen zu können?

Um eine solche Studie beginnen zu können, sind vorher zahlreiche Genehmigungen erforderlich, unter anderem die des Paul- Ehrlich- Instituts, der Kontrollbehörde des Bundesministeriums für Gesundheit. Auch die Zustimmung von Ethikkommissionen ist unbedingte Voraussetzung. Wir haben alle Vorgaben erfüllt und freuen uns, jetzt starten zu können.

Wie wollen Sie dabei genau vorgehen?

Wir suchen zunächst 10 Kinder, bei denen innerhalb der letzten 12 Monate Typ-1-Diabetes ausgebrochen ist und deren Eltern das Nabelschnurblut bei Vita 34 aufbewahrt haben. Durch körperliche Voruntersuchungen und
der Testung des Nabelschnurbluts gehen wir sicher, dass einer Transfusion nichts entgegensteht. Anschließend verabreichen wir den Kindern ihr eigenes Nabelschnurblut. Währenddessen wird der Zustand der Kinder natürlich auch genau überwacht.

Und wie geht es dann weiter?

In den folgenden zwei Jahren werden regelmäßig Nachfolge- Untersuchungen vorgenommen. Parallel werden wir 20 Kinder beobachten, die ebenfalls an Typ‑1-Diabetes erkrankt sind, aber kein eigenes Nabelschnurblut zur Verfügung haben und ausschließlich mit herkömmlichen Methoden behandelt werden. Anschließend  werden wir die Ergebnisse vergleichen. Außerdem sollen unsere Daten mit denen meiner Kollegen in den USA zusammengefasst werden, um die Resultate auf größere Fallzahlen stützen zu können.

Welche Bedeutung messen Sie persönlich der Studie bei?

Alle Erkenntnisse aus dieser Studie werden für die Entwicklung künftiger Strategien zur Behandlung und Prävention von Typ-1-Diabetes hilfreich sein. Stammzellen aus dem Nabelschnurblut bieten durch ihre geringes Alter und ihre Differenzierungsfreudigkeit ein enormes Potential und könnten zukünftig die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöhen.

Was würden Sie Eltern mit betroffenen Kindern raten?

Nehmen Sie an der Studie teil, wenn Sie das Nabelschnurblut Ihres Kindes eingelagert haben. Nutzen Sie die Chance, Ihrem Kind die wichtige eigene Insulinproduktion zu erhalten.
 
 
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